Vom Webstuhl zur Wohnung: Das tim und die Fuggerei eröffnen zwei unterschiedliche Blicke auf Augsburgs Arbeits- und Sozialgeschichte.
Im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg geht es um den Stoff, aus dem Kleidung entsteht. In der Fuggerei geht es um den Raum, den Menschen zum Leben brauchen. Gemeinsam ergeben die beiden Orte einen Stadtbesuch, der hinter schöne Fassaden führt: zu Arbeit, Gestaltung und einer über Jahrhunderte fortgeführten sozialen Idee. Für einen Herbsttag bietet sich zuerst das tim an, danach eine Pause und der Wechsel zur Fuggerei.
Im tim wird aus einem Stoff ein Stück Stadtgeschichte
Das Museum in der Provinostraße nutzt ehemalige Hallen der Augsburger Kammgarnspinnerei. Hier begegnen dir nicht nur fertige Kleider, sondern auch die Menschen und Maschinen hinter ihrer Herstellung. Die Ausstellung verbindet Lebensgeschichten von Arbeiterinnen, Arbeitern und Unternehmern mit technischen Veränderungen. Ein Stoff lässt sich dadurch zugleich als Handelsprodukt, Ergebnis von Arbeit und persönlicher Gebrauchsgegenstand betrachten.
Besonders anschaulich sind die Webmaschinen. Bei den mehrmals täglich angebotenen Vorführungen kannst du erleben, wie aus vielen einzelnen Fäden eine zusammenhängende Fläche wird. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung dafür ist laut Museum nicht möglich. Frage deshalb gleich bei der Ankunft nach dem nächsten Termin. So lässt sich die Vorführung in deinen Rundgang einbauen, ohne dass du sämtliche Abteilungen in einer festen Reihenfolge ablaufen musst.
Danach lohnt die Musterbuchsammlung der Neuen Augsburger Kattunfabrik. Ihre Entwürfe reichen über mehr als zwei Jahrhunderte. Such dir ein Muster heraus, das du selbst tragen würdest, und vergleiche es mit einem bewusst anderen: kleine oder große Formen, ruhige oder starke Kontraste, regelmäßige oder freie Anordnung. Der eigene Geschmack wird so zum Einstieg in Designgeschichte. Die inszenierten Stoffmuster zeigen, wie sehr die Wirkung eines Entwurfs von seiner Größe und Anwendung abhängt.
Ein aktueller Modeanlass bis Ende Oktober
Bis zum 25. Oktober 2026 ergänzt die Sonderausstellung „Celebrating Fashion – Talbot Runhof in Paris“ den Besuch. Mehr als hundert Couturekleider des Münchner Designerduos richten den Blick auf aufwendige Anlassmode. Nach den Maschinen und Mustern der Dauerausstellung kannst du hier weiterverfolgen, wie Material, Schnitt und Körperform zusammenspielen. Für die Sonderausstellung solltest du ein zusätzliches Zeitfenster vorsehen. Die Ausstellungsseite des tim bündelt Laufzeit und Begleitprogramm.
Die Fuggerei: eine soziale Idee mit bewohnten Häusern
Mit dem Wechsel zur Fuggerei verändert sich das Thema. Jakob Fugger stiftete die Siedlung 1521, auch im Namen seiner Brüder. Hier leben weiterhin bedürftige Augsburger katholischen Glaubens. Zur Stiftungstradition gehören die nominelle Jahreskaltmiete von 88 Cent und drei tägliche Gebete. Diese Regelung erzählt von einer historischen Verbindung zwischen Hilfe, religiösem Selbstverständnis und dem Wunsch nach dauerhafter Sicherung.
Die Fuggerei entstand lange vor der industriellen Welt, die das tim behandelt. Sie ist deshalb keine ehemalige Wohnanlage der späteren Textilfabriken. Der Zusammenhang für deinen Besuch liegt in einer gemeinsamen Frage: Wie organisieren Menschen ihre wirtschaftliche Existenz, und welche Unterstützung steht ihnen dabei zur Verfügung? Diese Frage lässt sich an den beiden Orten aus verschiedenen Zeiten und Perspektiven betrachten.
Für Einblicke in das Wohnen gibt es eigens eingerichtete Museumsräume. Im Museum der Geschichte und des Wohnens ergänzen Bewohnerbiografien die großen historischen Daten. Die Einrichtung der historischen Wohnung wurde nach Forschungsergebnissen rekonstruiert. Achte auf die Aufteilung des Raums und darauf, wie mehrere Tätigkeiten in einer kleinen Wohnung Platz finden konnten. Die heutige Siedlung bleibt zugleich ein Zuhause: Nutze die ausgewiesenen Besuchsbereiche und behandle private Haustüren und Fenster entsprechend.
Zwei Stationen, ein gut planbarer Tag
Das tim öffnet regulär Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Die Fuggerei ist von Oktober bis März täglich von 9 bis 18 Uhr zugänglich; am Heiligabend bleibt sie geschlossen. Für beide Ziele fallen separate Eintritte an. Aktuelle Regeln und Zeiten stehen in den Besucherinformationen der Fuggerei.
Reserviere zwischen den beiden Besuchen bewusst Zeit für den Ortswechsel und eine Mahlzeit. Wer im tim auch die Sonderausstellung ausführlich sehen möchte, kann die Fuggerei auf einen zweiten Tag verteilen. Der Ausflug gewinnt durch genaue Beobachtung: Ein Gewebemuster, ein Maschinenablauf und eine historische Wohnung bleiben oft stärker in Erinnerung als eine hastig absolvierte Liste von Sehenswürdigkeiten.
Bildnachweis: Das tim in den historischen Gebäuden der Augsburger Kammgarnspinnerei. Foto: Ricardalovesmonuments / CC BY-SA 4.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

