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Landschaft neu sehen: Kunst in Imst und ein Ausblick nach Seefeld

„Am Wegesrand“ verbindet in Imst Theodor von Hörmann mit Gegenwartskunst. Dazu: ein einfacher Zugang zum Schauen und der aktuelle Stand bei KIS in Seefeld.

Eine Landschaft lässt sich durchwandern, fotografieren oder malen. Jedes Mal entsteht ein anderer Blick auf denselben Gegenstand. Genau an dieser Frage setzt die Ausstellung „Am Wegesrand“ in Imst an: Werke des Malers Theodor von Hörmann treffen auf Arbeiten von Felix Heiß, Daniel Nikolaus Kocher, Lisa Krabichler und Thordis Wolf. Für einen Besuch brauchst du keine fertige Meinung zur Gegenwartskunst. Neugier auf unterschiedliche Arten des Sehens reicht als Anfang.

Die Ausstellung verteilt sich auf die Städtische Galerie Theodor von Hörmann und das Museum im Ballhaus. Nach der Eröffnung am 24. September läuft der reguläre Ausstellungszeitraum vom 25. September 2026 bis 9. Januar 2027. Imst ist damit der aktuelle Anlaufpunkt dieses Kunstvorschlags. Für KIS in Seefeld folgt weiter unten ein Ausblick, denn die dortige Sommerausstellung ist bereits beendet.

Hörmann als Gesprächspartner der Gegenwart

Theodor von Hörmann wurde 1840 geboren und starb 1895. Die Tiroler Landesmuseen ordnen ihn als Wegbereiter des Impressionismus in Österreich und Vorläufer der Wiener Secession ein. Sein Weg zur Kunst verlief über eine Offizierslaufbahn und das Studium an der Wiener Akademie; Reisen, darunter nach Paris, prägten sein späteres Schaffen. Die Ausstellung fragt danach, welche Anknüpfungspunkte dieses Leben und Werk heute bieten.

Dafür kommen unterschiedliche Ausdrucksformen zusammen: Malerei und Zeichnung ebenso wie Fotografie, Installation, Bildhauerei und Musik. Das gemeinsame Thema führt also nicht zwangsläufig zu ähnlich aussehenden Werken. Eine Fotografie kann etwas anderes am Landschaftsbild untersuchen als eine gemalte Fläche oder ein räumlicher Gegenstand. Beim Besuch lohnt es sich, diese Unterschiede zunächst wahrzunehmen, bevor man nach einer einzigen gemeinsamen Botschaft sucht.

Zwei Häuser, ein zusammenhängender Ausstellungsbesuch

Die Galerie liegt am Stadtplatz 11, das Museum im Ballhaus in der Ballgasse 1. Plane beide Adressen bewusst ein. Wenn du nur einen Ausstellungsort besuchst, siehst du einen Teil des Projekts. Für einen gemeinsamen Rundgang eignen sich nach den veröffentlichten Angaben Donnerstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr; Feiertage sind ausgenommen. Das Museum öffnet zusätzlich am Dienstag in diesem Zeitfenster.

Als eigene Planungsidee bietet sich ein Nachmittag an, an dem du zwischen beiden Häusern eine kurze Pause im Ort lässt. Du musst nicht jedes Werk gleich lange betrachten. Wähle zunächst zwei oder drei Arbeiten, die eine Frage auslösen, und kehre später noch einmal zu einer davon zurück. Ein zweiter Blick kann interessanter sein als der Versuch, alles in einem einzigen Durchgang zu erfassen.

Aktuelle Ausstellungsangaben und Termine findest du bei der Stadt Imst.

Ein einfacher Einstieg: erst sehen, dann lesen

Stelle dich vor eine Arbeit und gib dir einen Moment ohne Begleittext. Beschreibe möglichst konkret, was du erkennst: helle und dunkle Bereiche, eine wiederholte Form, eine auffällige Kante oder einen Wechsel zwischen dichtem und freiem Raum. „Das wirkt unruhig“ ist ein guter Anfang. Noch aufschlussreicher wird es, wenn du benennen kannst, wodurch dieser Eindruck entsteht.

Lies anschließend Titel und Erläuterung. Verändert die neue Information deinen Blick? Manche Titel erklären einen Zusammenhang, andere öffnen bewusst mehrere Möglichkeiten. Du musst dich nicht zwischen einem eigenen Eindruck und dem kuratorischen Text entscheiden. Interessant ist, wo beide zueinanderfinden und wo eine Frage bleibt.

Wenn ihr zu zweit unterwegs seid, beschreibt zunächst unabhängig voneinander ein Detail. Erst danach vergleicht ihr eure Beobachtungen. Häufig fällt der anderen Person etwas auf, das man selbst übersehen hat. So wird ein Ausstellungsbesuch zu einem Gespräch über Wahrnehmung und nicht zu einem Wettbewerb um die vermeintlich richtige Deutung.

Alte und neue Bilder miteinander vergleichen

Die Pressevorstellung zeigt im Museum im Ballhaus unter anderem Hörmanns Selbstporträt „Der Maler im Blumengarten“ aus der Zeit um 1892 neben Lisa Krabichlers Serie „Postkarten aus Dachau“. Schon diese Gegenüberstellung bietet einen konkreten Ansatzpunkt: Welche Rolle spielt der gewählte Ausschnitt? Was steht im Mittelpunkt, was am Rand? Wie unterschiedlich können Bilder einen Ort oder eine Situation zugänglich machen?

Eine hilfreiche Übung ist, dieselbe Frage an zwei Werke zu stellen. Suche etwa nach der Beziehung zwischen Figur und Umgebung oder nach dem Verhältnis von Nähe und Entfernung. Du brauchst dafür keine kunsthistorische These. Achte nur darauf, eine persönliche Deutung auch als solche zu behandeln. „Für mich wirkt das …“ lässt Raum für andere Beobachtungen und bleibt präziser als eine erfundene Aussage über die Absicht der Künstlerin oder des Künstlers.

Auch Möbel können Teil einer Auseinandersetzung sein

Zum Projekt gehören Sitzmöbel, die aus einem Wettbewerb der HTL Imst hervorgingen. Zwei ausgewählte Entwürfe wurden in den Werkstätten der Schule umgesetzt und sollen nach der Ausstellung in den beiden Häusern bleiben. So reicht die Beschäftigung mit Hörmann über die Wand hinaus in den benutzbaren Raum.

Beim Betrachten kannst du nach dem Verhältnis von Form und Funktion fragen. Wie lädt ein Gegenstand zum Sitzen ein? Welche Haltung legt er nahe? Ob ein konkretes Objekt berührt oder benutzt werden darf, ergibt sich aus den Hinweisen vor Ort. Nicht alles, was wie ein Möbel aussieht, ist automatisch für jede Nutzung freigegeben. Der Zusammenhang zwischen Gestaltung und Alltag ist aber gerade ein guter Einstieg für Menschen, die sich mit Bildern zunächst schwerer tun.

Wer tiefer einsteigen möchte

Für den 23. Oktober 2026 um 19 Uhr ist ein Gespräch mit den vier beteiligten Kunstschaffenden und der Kuratorin Rosanna Dematté angekündigt, ergänzt um einen literarischen Beitrag von Claudia Grabenweger. Am 19. November um 19 Uhr folgt die Theaterperformance „Theorie von Hörmann“. Beide Veranstaltungen sind in der Galerie bei freiem Eintritt angekündigt. Prüfe kurz vor der Anreise, ob die Termine unverändert stattfinden.

Die Hintergründe und das Rahmenprogramm erläutern die Tiroler Landesmuseen.

Seefeld: KIS für den nächsten Ausstellungstermin vormerken

KIS – Kunst in Seefeld bietet einen zweiten interessanten Ort für zeitgenössische Kunst in der Region. Die Ausstellung „Thomas Schütte – Haus T“ lief dort vom 19. Juni bis 27. September 2026 und ist damit beendet. Sie ist kein aktuelles Besichtigungsangebot mehr. Für eine neue Anreise sollte zuerst ein bestätigter Folgetermin im Programm stehen.

Damit ist KIS ein sinnvoller Ausblick für einen späteren Kulturvormittag oder -nachmittag, aber kein fest eingeplanter zweiter Stopp dieses Ausflugs. Auch eine allgemeine Öffnungszeit ersetzt während eines Ausstellungswechsels keine aktuelle Bestätigung. Das nächste Programm findest du hier bei KIS.

Für jetzt bietet Imst den konkreten Anlass. Nimm eine Frage mit, die du anschließend beim Spaziergang durch den Ort weiterverfolgen kannst: Welchen Ausschnitt würdest du selbst wählen, um eine Landschaft oder eine Straße zu zeigen? Nach der Ausstellung sieht vielleicht schon ein vertrauter Weg anders aus. Stand der Besuchshinweise: 28. September 2026.

Bildnachweis: Altes Rathaus am Stadtplatz in Imst, Sitz der Galerie Theodor von Hörmann Foto: Leitzsche / CC0 1.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.