Zwei Häuser, zwei Blickwinkel: Entdecke Gabriele Münters Kunst und ihr Lebensumfeld in Murnau – mit einer entspannten Tagesplanung für den Herbst.
In Murnau lässt sich ein Kunsttag mit zwei sehr unterschiedlichen Blickwinkeln gestalten: Im Schloßmuseum begegnest du Gabriele Münters Werk über viele Jahrzehnte. Im Münter-Haus kommst du ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld näher. Dazwischen liegt ein Ort, dessen Dächer, Straßen und Landschaft immer wieder zum Bildmotiv wurden. Wer beide Häuser verbindet, bekommt mehr als eine kleine Einführung in den Blauen Reiter.
Im Schloßmuseum mit Münters Bildern beginnen
Das Schloßmuseum Murnau eignet sich als erster Halt. Seine Münter-Sammlung umfasst mehr als 80 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken; sie reicht von frühen Arbeiten bis zum Spätwerk. Damit wird deutlich, wie viel über die bekannten expressionistischen Landschaften hinaus zu entdecken ist. Münter war eine eigenständige Künstlerin mit wechselnden Themen und gestalterischen Entscheidungen.
Nimm dir für einige Bilder bewusst mehr Zeit. Wie wird ein Haus durch Konturen zusammengehalten? Wie verändert eine ungewöhnliche Farbe den Eindruck einer Straße? Und wie viel räumliche Tiefe braucht das Bild überhaupt? Solche Fragen funktionieren ohne kunsthistorisches Vorwissen. Besonders reizvoll ist es, ein frühes und ein späteres Werk zu vergleichen, statt nur nach einem möglichst bekannten Motiv zu suchen.
Hinterglasbilder öffnen eine zweite Perspektive
Auch die Hinterglaskunst verdient im Museum einen eigenen Abstecher. Hier begegnen regionale und internationale Traditionen Arbeiten der Moderne und Gegenwart. Die Präsentation wird regelmäßig verändert; ein bestimmtes Einzelwerk solltest du deshalb nicht zum einzigen Besuchsgrund machen. Interessanter ist der Vergleich: Welche Wirkung entsteht durch die glatte Oberfläche, klare Umrisse oder leuchtende Farbflächen?
Mit Kindern kannst du daraus eine überschaubare Entdeckungsaufgabe machen. Jede Person sucht ein Bild mit einer auffälligen Farbe und erklärt anschließend, was diese Farbe im Bild verändert. Dafür braucht es weder ein richtiges Ergebnis noch einen kompletten Rundgang durch alle Sammlungsbereiche. Lieber bleiben wenige Bilder im Gedächtnis, als dass der Museumsbesuch zur Pflichtübung wird.
Ein Haus, das Kunst und Alltag verbindet
Gabriele Münter kaufte das Haus an der Kottmüllerallee 1909. Sie und Wassily Kandinsky gestalteten Wohnräume und Garten und bemalten Möbel. Im Herbst 1911 wurde hier am Almanach „Der Blaue Reiter“ gearbeitet. Heute vermittelt die Einrichtung, die den Zustand der Jahre 1909 bis 1914 aufgreift, einen Eindruck dieser Verbindung von Wohnen, Austausch und künstlerischer Arbeit.
Achte neben den Bildern auf die Möbel und die Blickrichtungen aus den Räumen. Das Haus, sein Garten und die umliegende Landschaft waren selbst Motive. Gerade nach dem Museumsbesuch lässt sich überlegen, wie aus einem alltäglichen Ausschnitt eine eigenständige Bildidee entsteht. Münters Biografie reicht jedoch weit über diese gemeinsame Zeit hinaus: Ab 1931 lebte sie wieder dauerhaft hier, bis zu ihrem Tod 1962.
Zwischen den Häusern den eigenen Blick ausprobieren
Plane zwischen den beiden Besuchen eine Pause im Ort ein. Eine kurze Runde ist hilfreicher als der Versuch, sämtliche historischen Malstandpunkte abzuhaken. Such dir einen Dachwinkel, eine Hausfassade oder den Wechsel zwischen Vordergrund und ferner Landschaft. Welche Formen würdest du weglassen, wenn du daraus ein Bild machst? Eine kleine Skizze oder eine bewusste Fotografie genügt.
Bei Regen bleibt diese Idee im Kleinen möglich: Vergleiche nach dem Besuch aus der Erinnerung zwei unterschiedliche Bildausschnitte. Für einen gelungenen Kunsttag brauchst du keinen wolkenlosen Bergblick. Entscheidend ist die Aufmerksamkeit, mit der du Formen und Farben wahrnimmst.
So passt der Besuch in einen Herbsttag
Für die Kombination bietet sich das Schloßmuseum am Vormittag und das Münter-Haus am Nachmittag an. Regulär öffnet das Museum Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, das Münter-Haus von 14 bis 17 Uhr; montags gelten jeweils Feiertagsausnahmen. Wichtig für 2026: Das Münter-Haus bleibt vom 17. November bis 1. Dezember wegen Ausstellungsvorbereitungen geschlossen. Aktuelle Hinweise stehen bei der Münter-Stiftung.
Im Schloßmuseum läuft „Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer“ noch bis 8. November 2026; außerdem ist Paul Klee ein eigener Ausstellungsschwerpunkt. Die aktuellen Ausstellungen und Besucherinformationen helfen bei der Auswahl. Reserviere dir lieber einen entspannten halben Tag mit Pause als zwei hastige Museumsstopps.
Bildnachweis: Das Münter-Haus mit seinem Garten in Murnau. Foto: Ricardalovesmonuments / CC BY 4.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

