Industriefotografie, Campendonk und Bergbaugeschichte: zwei Penzberger Museen verbinden sich im Herbst 2026 zu einem vielseitigen Kulturtag.
Am 30. September 1966 endete in Penzberg der Kohlebergbau. Sechzig Jahre später lässt sich dieser Einschnitt an zwei Orten nachvollziehen: im Museum Penzberg – Sammlung Campendonk und im Bergwerksmuseum. Im Herbst 2026 verbindet sie eine Sonderausstellung über Industriefotografie und den Wandel der Stadt. Daraus entsteht ein Ausflug für alle, die hinter einer Landschaft auch ihre Arbeitsgeschichte entdecken möchten.
Industriefotografie trifft auf Penzberger Erinnerungen
Die Ausstellung „Das Ende als Anfang. Bernd und Hilla Becher im Dialog mit Penzberg“ läuft bis zum 18. Oktober 2026. Das Fotografenpaar hielt seit den späten 1950er Jahren industrielle Bauten systematisch fest. Fördertürme und andere Anlagen wurden dadurch als eigenständige Architektur sichtbar. In Penzberg begegnen diese Bilder einer Stadt, deren Alltag und Erscheinungsbild lange vom Bergwerk bestimmt waren.
Die Bechers haben Penzberg selbst nicht besucht. Ihre Fotografien zeigen deshalb keine verlorenen Penzberger Gebäude, sondern stellen eine Verbindung zu anderen Industriestädten her. Ergänzend behandelt Lena Schabus in ihren Arbeiten Veränderungen von Landschaften. Ein Projekt mit persönlichen Erinnerungen der Bevölkerung bringt die lokale Perspektive hinzu: Was bedeutete die Schließung für Menschen, deren Leben mit dem Bergwerk verbunden war?
Die verschiedenen Ebenen machen den Besuch interessant. Eine Fotografie kann die Form eines Bauwerks bewahren, eine Erinnerung seinen Platz im Alltag erklären. Beides erzählt etwas anderes über denselben Wandel. Für den Rundgang lohnt es sich daher, neben den Bildern auch den persönlichen Stimmen Zeit einzuräumen. Die Ausstellung lässt sich gut als Einstieg nehmen, bevor du im zweiten Museum die technischen Arbeitsabläufe kennenlernst.
Campendonk und die Bergwerksstadt
Zur Sammlung des Kunstmuseums gehören Arbeiten Heinrich Campendonks aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Er kam 1911 nach Oberbayern und schloss sich dem Blauen Reiter an. Auch die Penzberger Koloniehäuser, Fördertürme und Schornsteine interessierten ihn als Motive. Damit besitzt die Verbindung zwischen Kunst und Bergbau hier eine längere Geschichte als die aktuelle Sonderausstellung.
Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Hinterglasmalerei zeigen unterschiedliche Seiten seines Werks. Du kannst den Museumsbesuch also über die Becher-Ausstellung hinaus erweitern. Ein kostenloser Audioguide auf dem eigenen Smartphone führt durch Campendonks Kunst und die Stadtgeschichte; Kopfhörer mitzunehmen ist dafür praktisch. Wer beiden Museen ausführlich Zeit geben möchte, sollte insgesamt einen großzügigen halben Tag einplanen.
Wie unter Tage gearbeitet wurde
Im Bergwerksmuseum Penzberg stehen Werkzeuge und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt. Nachgebaute Strecken, Förderwagen, Grubentelefone und Signalstationen vermitteln den Betrieb unter Tage. Der Rundgang zeigt zugleich, wie aus körperlicher Handarbeit zunehmend mechanisierter Kohleabbau wurde. Es handelt sich um eine Ausstellung im Untergeschoss eines Gebäudes, nicht um die Einfahrt in einen noch zugänglichen Förderschacht.
Grubenlampen, Vermessungsgeräte und historische Karten machen Aufgaben sichtbar, die über das eigentliche Lösen der Kohle hinausgingen. Orientierung, Transport und Verständigung mussten im Berg funktionieren. Modelle und Medienstationen erklären diese Zusammenhänge. Im kleinen Bergwerkskino ergänzt ein Film von 1929 den Blick auf Maschinen und Objekte um bewegte Bilder aus dem damaligen Betrieb.
Für Kinder und Jugendliche gibt es einen Audioguide. Eine Familienführung ist am 11. Oktober 2026 um 11.30 Uhr angekündigt; nach Betreiberangabe ist dafür keine Anmeldung nötig. Das ist eine mögliche Ergänzung für einen gemeinsamen Besuch, aber kein tägliches Angebot. Die reguläre Ausstellung kannst du auch ohne diesen Sondertermin einplanen.
So kombinierst du die beiden Museen
Das Kunstmuseum öffnet regulär Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Das Bergwerksmuseum hat Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag dieselben Zeiten; am Freitag passt deshalb nur das Kunstmuseum ins Programm. Feiertagsabweichungen und Führungen prüfst du vor der Fahrt in den Besucherinformationen des Museums Penzberg. Dort findest du auch das Kombiticket für beide Häuser.
Das Kunstmuseum liegt Am Museum 1, das Bergwerksmuseum in der Karlstraße 36 hinter der Realschule. Dessen Zugang führt über den Schulhof und ist laut Betreiber nicht barrierefrei. Die Hinweise zum Bergwerksmuseum erklären den Weg und die derzeitige Baustellensituation. Plane zwischen den beiden Rundgängen eine Pause ein: So bleibt Zeit, die Kunst mit dem eben kennengelernten Bergbau zu verbinden.
Bildnachweis: Altbau und Neubau des Museums Penzberg – Sammlung Campendonk. Foto: Catatine / CC0 1.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

