Vom Ulmer Hocker zur Architektur am Münsterplatz: Verbinde das HfG-Archiv mit dem Stadthaus und einer aktuellen Fotoausstellung zu einem Kulturtag.
Ein Hocker, ein Radio und ein weißes Haus am Münsterplatz: An diesen Dingen lässt sich Ulm als Stadt moderner Gestaltung entdecken. Im HfG-Archiv geht es darum, wie Alltagsgegenstände entwickelt werden. Das Stadthaus führt dieselbe Frage in einem größeren Maßstab weiter: Was macht ein Gebäude mit dem Platz, auf dem es steht? Verbinde beide Orte zu einem Kulturtag, bei dem du Formen, Materialien und ihre Wirkung genauer anschaust.
Am Kuhberg: Gestaltung als Arbeit am Alltag
Die Hochschule für Gestaltung Ulm bestand von 1953 bis 1968. Inge Scholl, Otl Aicher und Max Bill gehörten zu ihren Gründern. Hinter der Schule stand der Anspruch, nach der NS-Zeit an einer demokratischen Gesellschaft mitzuwirken. Gestaltung wurde als gesellschaftliche Aufgabe verstanden. Das Archiv vermittelt diese Geschichte am ursprünglichen Hochschulort: Du besuchst Ausstellungen in den früheren Werkstatträumen des von Max Bill entworfenen Gebäudes.
Die Dauerausstellung „Hochschule für Gestaltung Ulm: Von der Stunde Null bis 1968“ macht die Ideen an konkreten Entwürfen nachvollziehbar. Dazu gehören der Ulmer Hocker, das stapelbare Geschirr TC 100 und die Radio-Phono-Kombination Braun SK 4, bekannt als „Schneewittchensarg“. Solche Objekte helfen beim Einstieg, weil ihre Aufgaben vertraut sind. Du kannst unmittelbar überlegen, wie sie benutzt werden und welche Form dafür sinnvoll erscheint.
Suche dir zunächst ein Objekt aus und betrachte es wie eine praktische Aufgabe. Was muss es leisten? Welche Teile sind sichtbar, welche zurückgenommen? Wie hängen Material, Herstellung und Gebrauch zusammen? Vergleiche deine Antworten anschließend mit den Erläuterungen der Ausstellung. Die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen der Ulmer Lehre werden so über konkrete Dinge verständlich, auch wenn du vorher wenig mit Designgeschichte zu tun hattest.
Vom Gebrauchsgegenstand zum öffentlichen Raum
Plane zwischen dem Hochschulort am Kuhberg und dem Stadthaus in der Innenstadt einen eigenen Transfer ein. Die beiden Einrichtungen liegen nicht nebeneinander. Eine Pause dazwischen hilft zudem, die Eindrücke zu sortieren: Nimm eine Beobachtung aus dem Archiv mit, etwa den Umgang mit Licht oder die Frage nach einer klar erkennbaren Funktion. Am Münsterplatz kannst du sie am nächsten Gebäude erneut prüfen.
Das Stadthaus von Richard Meier wurde 1993 eröffnet. Seine helle Architektur steht in einem auffälligen Verhältnis zum gotischen Münster. Geh zunächst ein Stück über den Platz und verändere deinen Standpunkt. Wie wirken die Gebäude zusammen, wenn das Stadthaus direkt vor dir liegt oder seitlich ins Blickfeld rückt? Diese kleine Übung braucht keine Führung. Sie macht deutlich, dass Architektur auch durch ihre Umgebung und die Bewegung der Betrachter wirkt.
Im Inneren kannst du deinen Rundgang mit einer Ausstellung verbinden. Für einen entspannten Besuch empfehlen wir, Architektur und Exponate nacheinander zu betrachten: erst Orientierung im Gebäude, dann Konzentration auf die Bilder. Es muss kein vollständiger Vergleich aller Gestaltungsideen werden. Schon eine Frage aus dem HfG-Archiv kann reichen, um hier anders hinzusehen als bei einem gewöhnlichen Stadtbummel.
Ab Oktober 2026: junge fotografische Perspektiven
Vom 3. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027 zeigt das Stadthaus „Zwischen Berlin und Tbilissi. Junge Fotograf*innen schauen auf ihre Welt“. Die dokumentarischen Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit Umweltfragen, sozialer Gerechtigkeit und politischen Veränderungen. Die Eröffnung findet bereits am 2. Oktober um 19 Uhr statt; der reguläre Ausstellungszeitraum beginnt am folgenden Tag.
Für deinen Gestaltungstag entsteht damit eine dritte Perspektive. Nach dem Gegenstand und dem Gebäude geht es nun um das fotografische Bild. Achte darauf, was eine Aufnahme in den Mittelpunkt rückt und was außerhalb ihres Ausschnitts bleibt. Ein gemeinsames Motiv lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise erzählen. Die Ausstellungsseite mit Terminen und Begleitprogramm hilft, einen passenden Besuch auszuwählen.
Zwei Häuser, ein gut planbarer Kulturtag
Das HfG-Archiv öffnet seine Ausstellungen regulär Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Das Stadthaus ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ins Stadthaus ist frei; einzelne Führungen können kostenpflichtig sein. Für beide Häuser zusammen empfehlen wir einen großzügigen halben Tag einschließlich Transfer und Pause. So bleibt Zeit, die Objekte und Bilder tatsächlich zu betrachten.
Bildnachweis: Fassadendetail des ehemaligen Hochschulgebäudes von Max Bill. Foto: Andreas Bohnenstengel / CC BY-SA 3.0 DE. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

