Ein römischer Bacchus, das Museum Thurnfels und ein Spaziergang zur Blasiuskirche: Entdecke Völs über Fundstücke, Handel und unterschiedliche Zeitschichten.
Ein gut ein Kilogramm schwerer Kopf kann mehr über einen Ort erzählen als eine ganze Reihe alter Jahreszahlen. Im Museum Thurnfels in Völs ist es eine römische Bacchusbüste: ein kunstvoll gestalteter Gegenstand, der zugleich eine sehr praktische Aufgabe hatte. Er diente als Gewicht einer Waage. Wer sich Zeit für dieses kleine Stück nimmt, entdeckt einen Zugang zu Handel, Handwerk und archäologischer Spurensuche im Inntal.
Der Ausflug lässt sich um einen Blick auf den heutigen Ort und die Blasiuskirche ergänzen. Die Stationen gehören jedoch in unterschiedliche Zeiten. Ein römischer Fund, ein historisches Gemeindehaus und eine christliche Kirche erzählen keine lückenlose Geschichte desselben Gebäudes. Gerade die Unterschiede machen Völs interessant: Vergangenheit liegt hier in mehreren Schichten unter und neben dem vertrauten Ortsbild.
Thurnfels: Geschichte im Gemeindehaus
Das Museum befindet sich im historischen Gemeindehaus, dem früheren Ansitz Thurnfels beziehungsweise Turm zu Völs, in der Dorfstraße 31. Seine Einrichtung stand im Zusammenhang mit der Markterhebung von Völs im Jahr 2000. Ein wesentlicher Teil der Sammlung geht auf archäologische Funde bei der Restaurierung der alten Pfarrkirche zurück; hinzu kommen Leihgaben aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
Damit begegnen dir hier verschiedene Arten von Überlieferung. Manche Dinge kamen bei Arbeiten im Ort wieder ans Licht, andere wurden für die Präsentation zusammengeführt. Schau deshalb auf die Beschriftungen: Wo wurde ein Stück gefunden, aus welcher Zeit stammt es und wie kam es ins Museum? Diese drei Angaben sagen mehr als die pauschale Vorstellung, alles Alte im Raum müsse schon immer genau hier gewesen sein.
Die Gemeinde nennt unter den Exponaten auch eine Steinaxt aus dem dritten Jahrtausend vor Christus und ein Bronzeschwert. Zwischen solchen Objekten und dem römischen Waagengewicht liegen große Zeiträume. Für den Besuch ist das eine hilfreiche Erinnerung: Ein Ortsmuseum zeigt keine Momentaufnahme, sondern Spuren sehr unterschiedlicher Lebenswelten.
Ein Gott als Gebrauchsgegenstand
Die Bacchusbüste stammt aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Sie ist aus Bronze gefertigt und mit Blei gefüllt. Beim Fund betrug ihre Masse 1.038,70 Gramm. Gefunden wurde sie 1999 im Zuge der Restaurierungsarbeiten an der alten Kirche. Die Gemeinde dokumentiert das Stück als Laufgewicht einer römischen Waage und damit als Verbindung von figürlicher Gestaltung und präzisem Gebrauch.
Bacchus ist die römische Gestalt des mit Wein verbundenen Gottes. Aus seinem Bildnis folgt jedoch nicht, dass an dieser Stelle ein Weinhändler arbeitete oder ausschließlich Wein gewogen wurde. Eine Darstellung auf einem Werkzeug ist kein vollständiger Geschäftsbericht. Sie zeigt zunächst, dass auch ein alltäglicher Gegenstand eine bildliche Form erhalten konnte. Wer diese Grenze mitdenkt, schaut genauer hin und erfindet dem Objekt keine Biografie dazu.
Die Fundbeschreibung und eine Abbildung des Objekts findest du hier bei der Marktgemeinde Völs.
Wie ein bewegliches Gewicht beim Wiegen hilft
Bei einer Laufgewichtswaage hängt die zu wiegende Last an einer anderen Stelle als das verschiebbare Gewicht. Durch das Verschieben verändert sich dessen Hebelwirkung. Anschaulich kennst du das von einer Wippe: Nicht allein das Gewicht entscheidet über das Gleichgewicht, sondern auch der Abstand vom Drehpunkt. Eine kleinere Last weiter außen kann eine größere Last näher am Drehpunkt ausgleichen.
Für das Verständnis des Bacchus ist entscheidend, dass seine Masse nicht direkt das Gewicht jeder gewogenen Ware angibt. Der bewegliche Körper war ein Teil eines Systems. Erst zusammen mit dem Waagenarm, den Aufhängepunkten und der jeweiligen Skala konnte er zum Ablesen dienen. Die heutige Grammangabe beschreibt das erhaltene Objekt; sie ist nicht ohne Weiteres eine römische Gewichtseinheit.
Im Museum kannst du daraus eine kleine Denkaufgabe machen: Was müsste an einer Waage unverändert bleiben, damit zwei Menschen zu demselben Ergebnis kommen? Was würde passieren, wenn Material am Gewicht verloren geht oder der Aufhängepunkt verändert wird? Solche Fragen führen unmittelbar zu einem Grundproblem des Handels: Messen muss nachvollziehbar sein, damit Käufer und Verkäufer über dieselbe Menge sprechen.
Archäologie beginnt mit dem Zusammenhang
Ein schönes Objekt zieht den Blick an. Für seine historische Bedeutung ist aber ebenso wichtig, wo und unter welchen Umständen es entdeckt wurde. Deshalb lohnt es sich, Fundort und Datierung getrennt zu lesen. Ein römischer Gegenstand, der bei Arbeiten an einer späteren Kirche auftaucht, macht die Kirche selbst nicht römisch. Ebenso wenig verrät ein einzelner Fund automatisch den genauen Verlauf einer antiken Straße.
Die Sammlung lässt sich mit einer einfachen Reihenfolge erkunden: erst betrachten, dann beschreiben, zuletzt deuten. Welche Merkmale sind tatsächlich sichtbar? Welche Funktion nennt die Beschriftung? Welche Fragen bleiben offen? Das funktioniert mit Kindern ebenso wie mit Erwachsenen. Wer zuerst eine Erklärung liest, sieht oft nur noch das, was diese Erklärung erwarten lässt. Ein kurzer eigener Blick davor macht den Museumsbesuch lebendiger.
Weitere Hintergründe zur Sammlung und ihrer Entstehung gibt es in der Vorstellung des Museums Thurnfels.
Die Blasiuskirche als anderer Blick auf Völs
Nach dem Museum kann die Blasiuskirche den Tag um einen zweiten Kulturort ergänzen. Hier wechselst du von archäologischen Dingen zu einem weiterhin religiös genutzten Ort. Die Pfarre veröffentlicht Gottesdienst- und Wallfahrtstermine; ein Kirchenbesuch ordnet sich diesem Leben unter. Wenn eine Feier stattfindet, ist stilles Teilnehmen oder ein späterer Besuch angemessener als eine Besichtigungsrunde.
Schon der Außenraum bietet Anlass, die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Wie liegt die Kirche zum Ort? Welche Wege verbinden sie mit den Häusern? Welche Rolle spielt eine erhöhte Lage für die Wahrnehmung eines Bauwerks? Dafür musst du weder eine Datierung raten noch einen unbekannten Innenraum als zugänglich voraussetzen. Ein Kirchenhügel kann eine interessante Ergänzung sein, auch wenn die Tür gerade geschlossen bleibt.
Die beiden Stationen ergeben keine ausgeschilderte Themenrunde mit fest zugesagter Gehzeit. Wähle die Verbindung anhand einer aktuellen Karte und deiner Mobilität. Für die Kirche gilt eine eigene Besuchsplanung; die Öffnungszeiten des Museums lassen sich nicht auf sie übertragen. Aktuelle Hinweise findest du bei der Pfarre Völs.
Ein überschaubarer Ausflug mit genug Zeit zum Hinsehen
Das Museum nennt aktuell Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr als Öffnungszeiten. An Feiertagen bleibt es geschlossen, der Eintritt ist frei. Plane den Museumsbesuch als festen Anker; ein Spaziergang lässt sich anschließend leichter verlängern oder verkürzen. Wer nur wenig Zeit hat, kann sich auf das Waagengewicht und zwei weitere Objekte konzentrieren, statt jedes Schild im gleichen Tempo abzuarbeiten.
Für Familien ist die Frage „Wozu war das gut?“ oft der beste Einstieg. Erwachsene können sie um die Frage nach Fundumständen und Deutung ergänzen. So entsteht aus einer kleinen Sammlung ein Gespräch über Dinge, die noch immer zum Alltag gehören: fair handeln, sorgfältig messen und verstehen, was ein einzelner Hinweis tatsächlich belegt. Öffnungszeiten nochmals hier prüfen. Stand: 28. September 2026.
Bildnachweis: Historisches Gemeindehaus in Völs mit dem Museum Thurnfels Foto: Stephan Mosel from Hamburg, Germany / CC BY 2.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

