Stillgewässer, Auwald und Kiesflächen: Zwei getrennte Ausflüge in die Gaisau und Milser Au zeigen, wie vielfältig die Landschaft entlang des Inns sein kann.
Am Inn fällt der Blick oft zuerst auf den Fluss und die Berge dahinter. Dazwischen liegt eine Landschaft, die leicht übersehen wird: feuchte Wiesen, Schilfränder, kleine Wasserflächen, Kies und Wald. In der Gaisau und der Milser Au kannst du diese Übergänge bewusst wahrnehmen. Die beiden Gebiete bieten keine gemeinsame Wanderrunde. Sie sind zwei unterschiedliche Möglichkeiten, den Talboden Tirols besser kennenzulernen.
Wähle für einen entspannten Ausflug das Gebiet, das zu deinem Aufenthaltsort passt. Die Gaisau liegt bei Hatting, Inzing und Pettnau; die Milser Au gehört zu Mils bei Imst im Oberinntal. Wer an einem Tag beide Orte möglichst schnell abhakt, verliert gerade das, was einen Besuch interessant macht: Zeit für Veränderungen, Bewegungen und kleine Unterschiede im scheinbar Gleichförmigen.
Was einen Auwald vom Wald am Hang unterscheidet
In einer Auenlandschaft ist Wasser ein prägender Faktor. Es geht um den Fluss, aber auch um Grundwasser, feuchte Senken und zeitweise vom Hauptstrom getrennte Gewässer. Nicht jeder sichtbare Tümpel ist ein alter Flussarm, und nicht jeder Baum neben einem Fluss macht einen Wald schon zum intakten Auwald. Für den ersten Blick hilft die Frage: Wo kann Wasser stehen, fließen oder im Boden wirksam werden?
Betrachte die Landschaft deshalb als Mosaik. Eine offene Kiesfläche bietet andere Bedingungen als ein schattiger Tümpel; ein dichter Schilfrand andere als eine Wiese. Solche Übergänge schaffen unterschiedliche Lebensräume auf kleinem Raum. Bei einem Spaziergang musst du keine Artenliste führen, um das zu erkennen. Schon die Abfolge von trockenem Weg, feuchtem Rand und offenem Wasser zeigt, wie wenig einheitlich ein Talboden sein kann.
Gaisau: kleine Wasserflächen, große Bedeutung
Die Gemeinde Hatting beschreibt die Gaisau als rund 27 Hektar großes Naturschutzgebiet, das seit 2009 unter Schutz steht. Zur Landschaft gehören Teiche, Feuchtwiesen, Schilf und verbliebene Auwaldbereiche. Für Vögel ist das Gebiet sowohl Lebensraum als auch Rastplatz; innerhalb des stark genutzten Inntals spielt außerdem die Verbindung verschiedener Lebensräume eine Rolle.
Für Besucher ist die geringe Größe eine Einladung zum langsamen Schauen. Suche dir vom bestehenden Weg aus einen übersichtlichen Wasserbereich und bleibe eine Weile stehen. Oft wirkt ein Platz in den ersten Sekunden still und wird erst danach lebendig. Beobachte Bewegung an der Oberfläche, das Schwanken von Halmen oder unterschiedliche Flugbahnen, ohne daraus sofort eine sichere Artbestimmung zu machen.
Ein Fernglas kann helfen, ist aber keine Voraussetzung. Wer fotografiert, sollte die Entfernung mit dem Objektiv überbrücken und nicht durch das Betreten eines Ufers. Besonders Schilf- und Randbereiche wirken zugänglich, obwohl sie Rückzugsräume sind. Die Gemeinde bittet ausdrücklich um einen rücksichtsvollen Besuch auf den Wegen. Weitere Hintergründe findest du hier zur Gaisau.
Milser Au: ein kurzer Weg mit vielen Übergängen
Die Milser Au liegt bei Mils bei Imst, nicht beim gleichnamigen Ort östlich von Innsbruck. Imst Tourismus beschreibt hier einen geschützten Landschaftsteil mit Auwald, Feuchtgebieten, Altarmen und Schotterflächen. Genannt werden Weiden, Pappeln und Eschen sowie angelegte Tümpel und eine Brutwand für Eisvögel. Das sind Hinweise auf Lebensräume und Maßnahmen, keine Zusage, bei jedem Besuch bestimmte Tiere zu sehen.
Als überschaubaren Einstieg führt Imst Tourismus die leichte Runde Nummer 79 ab der Alpenrast Tyrol. Die Route verläuft über offene und bewaldete Abschnitte zum Sportplatz und am Inn zurück. Angegeben sind etwa 1,4 Kilometer und fünf Höhenmeter. Die Quelle setzt dafür großzügige eineinhalb Stunden an; für einen Beobachtungsausflug ist ohnehin die Zeit an den Haltepunkten entscheidender als ein möglichst schneller Rundgang.
Der Start an einer Rastanlage mag zunächst ungewohnt erscheinen. Er macht aber die Nachbarschaft von Verkehr, Nutzung und Natur sichtbar. Gerade im Tal stehen solche Flächen nicht isoliert außerhalb des menschlichen Alltags. Bleibe beim ausgewiesenen Zugang und betrachte die Informationstafeln als Teil des Ausflugs. Die offizielle Routenbeschreibung mit Karte findest du hier bei Imst Tourismus.
Naturnähe kann auch durch gezielte Arbeit entstehen
Eine Auenlandschaft kann ursprünglich wirken und trotzdem von Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen geprägt sein. Der Tiroler Umweltschutzbericht 2015 beschreibt für die Milser Au geschaffene flusstypische Lebensräume und ein damaliges Projekt zur Ansiedlung von Edelkrebsen. Diese historische Dokumentation belegt eine konkrete Maßnahme, aber keinen heutigen Bestand und erst recht keine Beobachtungsgarantie.
Für den Besuch lässt sich daraus eine nützliche Frage mitnehmen: Welche Strukturen wurden erhalten, welche möglicherweise wieder ermöglicht? Gerade kleine Gewässer oder offene Flächen sind nicht bloß ungenutzte Reste. Sie können für ein Schutzgebiet wesentlich sein. Ob eine bestimmte Stelle natürlich entstanden oder gezielt angelegt wurde, erfährst du zuverlässiger auf einer Informationstafel als durch bloßes Raten nach ihrem Aussehen.
Ein Beobachtungsplan für eine ruhige Stunde
Beginne mit den großen Formen. Wo liegen Fluss, Wald und offene Flächen? Welche Bereiche kannst du vom Weg aus überblicken, welche bleiben verborgen? Eine kleine Skizze reicht. Sie hilft auch Kindern, einen Ort als zusammenhängende Landschaft zu sehen, statt nur auf das nächste auffällige Tier zu warten.
Wechsle danach zu den Übergängen. Suche drei unterschiedliche Ränder: beispielsweise zwischen Wasser und Schilf, Wald und Wiese oder Kies und bewachsenem Boden. Vergleiche Licht, Deckung und Feuchtigkeit, soweit das vom Weg aus erkennbar ist. Du brauchst dafür weder Pflanzen auszureißen noch ins Wasser zu steigen. Der Vergleich selbst ist die Beobachtungsaufgabe.
Höre zum Schluss bewusst hin. Bleibe für einige Minuten ruhig. Welche Geräusche kommen aus der Landschaft, welche von Straßen oder Menschen? Ein Naturbesuch muss nicht vollkommen still sein, um aufschlussreich zu werden. Gerade die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Geräusche zeigt, wie eng Rückzugsraum und genutztes Tal beieinanderliegen.
Rücksicht gehört zum Erlebnis
Bleibe auf freigegebenen Wegen, halte Abstand zu Tieren und nehme Abfälle wieder mit. Füttern verändert das Verhalten von Wildtieren und gehört nicht zur Beobachtung. Lass auch vermeintlich leere Ufer und Kiesflächen ungestört. Wenn du mit Hund unterwegs bist, führe ihn kontrolliert und beachte die örtliche Beschilderung; ein Tier im Wasser oder Schilf kann die Ruhe des Gebiets erheblich stören.
Nach kräftigem Regen oder bei erhöhtem Wasserstand kann sich die Situation an Uferwegen verändern. Örtliche Absperrungen gehen jeder gespeicherten Route vor. Beide Gebiete sind Ziele zum Schauen und Lernen; aus einer sichtbaren Wasserfläche folgt keine Eignung zum Baden. Geeignete Schuhe, ein Getränk und etwas Zeit sind die sinnvollere Ausstattung als eine lange Liste erwarteter Sichtungen.
Wenn du am Ende nicht mehr Tiernamen kennst, aber die Unterschiede zwischen Wasser, Kies, Schilf und Wald bewusster wahrnimmst, hat sich der Ausflug gelohnt. Informationen zu Landschaft und Einrichtungen der Milser Au gibt es hier. Besuchshinweise geprüft am 28. September 2026.
Bildnachweis: Auenlandschaft im Naturschutzgebiet Gaisau bei Hatting und Inzing Foto: Gotthard Glätzle / CC BY-SA 3.0 AT. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

