Alte Festungsmauern, wiederverwendete Steine und Licht im Kirchenraum: Entdecke Neu-Ulm auf einer Runde durch den Glacis-Park zu St. Johann Baptist.
Festungsmauern können einen Park formen. Ihre Steine können aber auch in einer Kirche weiterleben. In Neu-Ulm verbindet genau dieser Gedanke zwei Ausflugsziele: den Glacis-Park und St. Johann Baptist. Bei einem Spaziergang zwischen Grünanlage und Kirchenarchitektur entdeckst du, wie militärisch geprägte Bauten neue Aufgaben bekamen. Der Zusammenhang ist ungewöhnlich konkret, denn für den Kirchenumbau wurden Materialien aus abgebrochenen Befestigungsanlagen verwendet.
Im Glacis die ehemalige Festung lesen
Der Glacis-Park liegt wenige Gehminuten vom Neu-Ulmer Bahnhof entfernt. Seine heutige Gestalt verdankt er wesentlich der Landesgartenschau von 1980, für die der westliche Teil der ehemaligen Befestigungsanlagen umgestaltet wurde. Das Wort Glacis bezeichnete das nach außen abfallende Gelände vor dem Festungsgraben. Wenn du diesen Hintergrund kennst, wirken die Höhenunterschiede und verbliebenen Mauern weniger zufällig.
Beginne mit einem langsamen Rundgang und schaue auf die Übergänge: Wo begrenzt eine Mauer den Raum, wo öffnet sich das Gelände? Wie verändern Wege und Pflanzen die Wirkung der alten Anlage? Du brauchst keine vollständige Rekonstruktion der Festung, um solche Spuren zu erkennen. Ein Stück Mauerwerk und sein heutiges Umfeld reichen als Ausgangspunkt. Für Fotos lohnt sich der Wechsel zwischen einer Übersicht und einem nahen Blick auf die Oberflächen.
Der Park ist zugleich ein Alltagsort mit Spazierwegen, Spielmöglichkeiten und dem Forellenbächle. Das macht ihn für eine gemeinsame Runde angenehm, auch wenn nicht alle gleich viel Interesse an Architektur haben. Gib der grünen Pause einen festen Platz im Ausflug. Bei einem Herbstbesuch steht der Park selbst im Mittelpunkt; das städtische Veranstaltungsprogramm „Glacis 2026“ war für Mai bis August angekündigt.
Mit der Lauschtour durch Neu-Ulm
Wenn du dir eine vorgegebene Route mit Hintergrundgeschichten wünschst, nutze die kostenlose Lauschtour. Sie startet in der Schießhausallee und verbindet unter anderem Festungsspuren, Wasserturm, Memminger Tor, Donau und St. Johann Baptist. Die offizielle Angabe lautet 3,2 Kilometer mit etwa einer Stunde und 15 Minuten; mit Rückweg sind es 4,3 Kilometer und etwa eineinhalb Stunden. Für längere Pausen und einen möglichen Kirchenbesuch kommt Zeit hinzu.
Die Inhalte lassen sich beim Start herunterladen und anschließend offline nutzen. Unterbrich die Wiedergabe ruhig, wenn dich ein Detail besonders interessiert. Wege aus Asphalt und Kies prägen die Runde; im Glacis gibt es auch steilere Abschnitte und eine Treppe, für die die Beschreibung Umgehungsmöglichkeiten nennt. Route und Hinweise findest du bei der offiziellen Neu-Ulmer Lauschtour.
St. Johann Baptist: Festungssteine in neuer Rolle
Am Johannesplatz lohnt sich zunächst die Außenansicht von St. Johann Baptist. Die Kirche entstand 1857 und wurde von Dominikus Böhm zwischen 1922 und 1927 zu einem expressionistischen Bau erweitert. Dabei kamen unter anderem Jurakalkstein, Ziegel und Reste von Dachziegeln aus abgebrochenen Befestigungsanlagen zum Einsatz. Nach deinem Parkbesuch lässt sich diese Materialgeschichte besonders gut nachvollziehen: Teile der militärischen Stadt fanden eine neue Verwendung.
Sieh dir die Wechsel zwischen hellem Stein und rotem Ziegel an. Die gegliederten Außenwände geben dem Gebäude einen anderen Rhythmus als eine durchgehend glatte Fassade. Geh einige Schritte zur Seite und vergleiche die Wirkung aus verschiedenen Blickwinkeln. Auf diese Weise erschließt sich die Architektur auch dann, wenn die Kirche gerade nicht für einen Innenbesuch offen ist.
Im Innenraum übernimmt das Licht
Wenn die Kirche geöffnet ist und keine kirchliche Nutzung entgegensteht, kommt eine weitere Ebene hinzu. Böhm arbeitete hier gezielt mit Raumwirkung und Lichtführung. Besonders die Auferstehungskapelle wird durch ihre gewundene Gestaltung und den Lichteinfall von oben geprägt. Lass den Raum zunächst auf dich wirken, bevor du nach Einzelheiten suchst. Der Unterschied zwischen äußerem Mauerwerk und innerer Helligkeit ist ein guter Ausgangspunkt für die Betrachtung.
Die Lauschtour lässt sich unabhängig vom Kirchenzugang nutzen. Plane den Innenbesuch als mögliche Vertiefung und richte dich nach den Öffnungshinweisen vor Ort sowie nach Gottesdiensten. Für Park, Lauschtour, Außenansichten und Pausen empfehlen wir insgesamt zwei bis drei Stunden. Wähle im Herbst möglichst ein zusammenhängendes Tageslichtfenster: Die Unterschiede zwischen Gelände, Material und Licht bilden den eigentlichen roten Faden dieser Neu-Ulmer Runde.
Bildnachweis: St. Johann Baptist in Neu-Ulm, Außenansicht vom 26. August 2015. Foto: Hpschaefer www.reserv-art.de / CC BY-SA 4.0. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.

