Glänzendes Leinen, feine Stickerei und acht Waldstationen: Verbinde die Juppenwerkstatt mit dem Eulenweg und entdecke Riefensberg von zwei Seiten.
In Riefensberg lässt sich ein Herbsttag mit einem ungewöhnlichen Handwerk beginnen und im Wald fortsetzen. Die Juppenwerkstatt erklärt, wie der charakteristische Stoff der Bregenzerwälder Frauentracht entsteht. Auf dem Eulenweg geht es anschließend über einen Bach, durch den Wald und zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Dorfes. Beide Ziele sprechen unterschiedliche Interessen an und lassen sich zu einem abwechslungsreichen Besuch verbinden, bei dem regionale Kultur ebenso ihren Platz hat wie Bewegung draußen.
Warum dieser Stoff so besonders ist
Die Bregenzerwälder Juppe ist eine traditionelle Frauentracht mit mehreren Varianten. Für ihre aufwendige Herstellung arbeiten verschiedene Handwerkerinnen und Handwerker zusammen: vom Stoff über Stickereien und Knüpfarbeiten bis zu Kopfbedeckung und Schmuck. Das Wissen wird seit Generationen weitergegeben. Die Herstellung der Juppen und das Tragen der Frauentracht wurden 2021 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
In der Juppenwerkstatt Riefensberg entsteht das tiefschwarze Glanzleinen, dessen Falten die Form vieler dieser Gewänder prägen. Dafür wird Leinen zunächst mit Leim behandelt. Bei der anschließenden Bearbeitung, dem „Glästen“, erhält es seinen Glanz. Die seit 1909 verwendete Glästmaschine ersetzt dabei keineswegs jedes Handgefühl: Der Stoff muss weiterhin von Hand vorgeschoben werden. Zuletzt wird das Gewebe gefältelt. Das Ziel ist ein Stoff, dessen Falten nach Bewegung wieder in ihre Form zurückfinden.
Diese Arbeit verteilt sich auf unterschiedliche Produktionsphasen. Das Leimen und Trocknen findet beispielsweise im späten Frühjahr oder frühen Sommer statt. Ein Besuch im Oktober bedeutet deshalb nicht, dass du automatisch jeden Herstellungsschritt im laufenden Betrieb siehst. Gerade eine Führung hilft dabei, Maschinen, Material und zeitlichen Ablauf zu einem verständlichen Ganzen zusammenzusetzen.
Im Oktober noch die Stickerei-Ausstellung besuchen
Die Sonderschau „Ich geh’ sticken! – Mit Nadel und Faden zu Meisterwerken“ läuft von Mai bis Oktober 2026. Sie zeigt originale Stickereien, verschiedene Techniken und Einsatzbereiche und verbindet diese mit der Kultur- und Sozialgeschichte des Bregenzerwalds. Damit rückt ein Teil der Tracht in den Mittelpunkt, der neben dem glänzenden, gefältelten Stoff leicht übersehen wird: die feine Arbeit mit Nadel und Faden.
Für einen selbstständigen Ausstellungsbesuch gelten in der Saison Dienstag von 10 bis 12 Uhr sowie Freitag von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr. Wer das gesamte Haus erklärt bekommen möchte, kann eine öffentliche Führung wählen. Konkret angekündigt sind beispielsweise der 4., 10. und 17. Oktober 2026, jeweils von 10 bis 11:15 Uhr. Öffentliche Führungen benötigen laut Betreiber keine Anmeldung. Einblicke mit einer tatsächlich arbeitenden Kunsthandwerkerin gehören dagegen zu einem eigens vereinbarten Angebot.
Wähle deshalb zuerst die passende Besuchsform und stimme darauf den übrigen Tag ab. Den aktuellen Kalender mit Führungen und Sonderterminen findest du bei der Juppenwerkstatt Riefensberg. Gerade für ein Wochenende ist ein konkret aufgeführter Termin die bessere Planungsgrundlage als die Annahme, das Museum sei durchgehend geöffnet.
Über den Eulenweg ins Grüne
Nach der Werkstatt bringt der Eulenweg Bewegung in den Tag. Ausgangspunkt ist der Pfarrhof im Dorf. Oberhalb weist eine hölzerne Eule die Richtung. Der Weg führt hinauf zu „Ställe am Graben“, über den Jagdbach zum Wasserfall und weiter durch den Wald. Eine Treppe gehört ausdrücklich zur Strecke. Über das Oberdorf und den Aussichtspunkt Dorfer Höhe kehrst du schließlich ins Dorf zurück.
Acht Stationen geben unterwegs Anlass zum Spielen und Entdecken. Ein Kuhglockenspiel lädt zum Musizieren ein, dazu kommen unter anderem eine Schaukel, eine Geschichte und Nützlingshotels. Für Familien lohnt es sich, diese Stationen als eigentlichen Inhalt des Spaziergangs einzuplanen. Wer von einer zur nächsten eilt, verpasst einen guten Teil dessen, was den Weg ausmacht. Auch ohne Kinder ist die Kombination aus Bach, Wald und Dorfaussicht eine schöne Ergänzung zum Innenbesuch.
Der Weg ist laut Gemeinde nicht kinderwagentauglich. Mit passenden Schuhen und genügend Zeit für die Treppen lässt sich der Ausflug sinnvoll vorbereiten; bei nassem Laub oder frühem Schnee entscheidet der aktuelle Zustand über den Naturteil. Eine offizielle Beschreibung bietet die Gemeindeseite zum Eulenweg. Für einen entspannten Tagesablauf kannst du erst die Führung besuchen, eine Mittagspause einlegen und danach loswandern.
Bildnachweis: Archivbild: Juppenhandwerk auf der Handwerksausstellung 2007 in Bezau. Foto: böhringer friedrich / CC BY-SA 2.5. Bildquelle. Für die Webdarstellung skaliert, gegebenenfalls beschnitten und in ein Webformat umgewandelt.
Häufig gestellte Fragen
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