Allgäuer Bergkäse, Emmentaler und Alpkäse: Erfahre, worin sie sich unterscheiden, wo Du Käsehandwerk erleben kannst und was wirklich zum UNESCO-Kulturerbe gehört.
Allgäuer Käse: mehr als eine Sorte
Allgäuer Käse steht für Bergwiesen, Milchviehhaltung und ein Handwerk, das die Region bis heute prägt. Hinter dem Begriff verbergen sich jedoch sehr unterschiedliche Produkte: vom milden Schnittkäse über Allgäuer Emmentaler bis zum kräftig gereiften Berg- oder Alpkäse. Herkunft, Milch, Herstellungsort und Reifezeit entscheiden darüber, wie ein Käse schmeckt.
Besonders geschützt sind die Bezeichnungen Allgäuer Bergkäse g. U. und Allgäuer Emmentaler g. U.. Das EU-Siegel „geschützte Ursprungsbezeichnung“ bedeutet, dass Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung nach festgelegten Regeln im definierten Herkunftsgebiet stattfinden müssen.
Alp, Sennalpe und Sennerei: Was ist der Unterschied?
Im Allgäu spricht man traditionell von einer Alp. Sie dient im Sommer als Weidefläche für Rinder und andere Tiere. Nicht auf jeder Alp wird Käse hergestellt: Auf Galtalpen weidet überwiegend Jungvieh, während bei Kuhalpen die Milch häufig ins Tal geliefert wird.
Auf einer Sennalpe wird die Milch dagegen direkt vor Ort verarbeitet. Der Senner oder die Sennerin macht daraus beispielsweise Butter und Käse. Eine Sennerei beziehungsweise Käserei kann auch im Tal liegen und die Milch mehrerer landwirtschaftlicher Betriebe verarbeiten. Deshalb sind „Alpkäse“, „Bergkäse“ und „Käse aus einer Dorfsennerei“ nicht automatisch dasselbe.
Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang
Die Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang wurde 2016 als Beispiel Guter Praxis zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes in das deutsche Register Guter Praxis aufgenommen. Im Mittelpunkt steht das Ökomodell Hindelang: Berglandwirtschaft, Landschaftspflege, regionale Vermarktung und die Weitergabe handwerklichen Wissens greifen dabei ineinander.
Für Deinen Besuch macht das sichtbar, warum eine Sennalpe mehr ist als ein schöner Brotzeitplatz. Die Arbeit mit Tieren, Weiden und Milch prägt die Landschaft und den Alltag der Betriebe. Käse ist ein Teil dieser lebendigen Kultur. Hintergründe zur Anerkennung findest Du bei der Deutschen UNESCO-Kommission.
Welche Allgäuer Käsesorten solltest Du kennen?
Allgäuer Bergkäse g. U.
Allgäuer Bergkäse ist ein fester bis harter Rohmilchkäse. Mit zunehmender Reife wird er kräftiger, würziger und häufig leicht nussig. Jüngere Varianten eignen sich gut für Brotzeit und Kässpatzen, lange gereifte Laibe werden gerne pur gegessen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung kannst Du am EU-Siegel erkennen. Die genauen Vorgaben erklärt die Europäische Kommission.
Allgäuer Emmentaler g. U.
Typisch für Allgäuer Emmentaler sind die großen Löcher und ein eher milder bis nussiger Geschmack. Auch diese Bezeichnung ist als Ursprungsbezeichnung geschützt. Der Käse eignet sich für die Brotzeit, zum Überbacken und für warme Gerichte.
Alpkäse und Sennalpkäse
Alpkäse wird während des Bergsommers auf einer Alp aus der dort anfallenden Milch hergestellt. Geschmack und Charakter können sich von Alp zu Alp unterscheiden. Entscheidend sind neben der Milch auch Handwerk, Reifung und Lagerung. Wer einen solchen Käse kauft, sollte nachfragen, von welcher Alp er stammt und wie lange er gereift ist.
Weichkäse, Romadur und kreative Sorten
Neben den bekannten Hartkäsen produzieren Allgäuer Käsereien auch Weichkäse, Romadur, Kräuterkäse und moderne Spezialitäten. Für eine kleine Verkostung ist es spannender, verschiedene Käsearten und Reifestufen zu kombinieren, statt nur mehrere ähnlich alte Bergkäse zu probieren.
Bergsennerei Gunzesried: Käsehandwerk erleben
Die Bergsennerei Gunzesried besteht seit 1892 und gilt als älteste durchgehend betriebene Sennerei Bayerns. Sie ist genossenschaftlich organisiert und verarbeitet Milch aus dem Gunzesrieder Tal. Im Laden kannst Du verschiedene Reifestufen probieren und Käse direkt aus der Sennerei kaufen.
Bei einer Sennereiführung erfährst Du mehr über die Verarbeitung der Milch und die Käseherstellung. Melde Dich dafür vorab an und stimme den Besuch auf einen angebotenen Termin ab. Die aktuellen Zeiten und Kontaktdaten findest Du auf der Website der Bergsennerei prüfen.
Hindelanger Käsemarkt und Eismanufaktur
Der Hindelanger Käsemarkt ist ein dauerhaftes Käsefachgeschäft in Bad Hindelang. Das Sortiment reicht von Allgäuer Alp- und Bergkäse bis zu Ziegenkäse und weiteren Spezialitäten aus Bayern und benachbarten Bergregionen. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Produkte und eine eigene Eismanufaktur.
Der Laden ist eine gute Adresse, wenn Du unterschiedliche Sorten vergleichen, Dich beraten lassen oder ein kulinarisches Mitbringsel suchen möchtest. Aktuelle Öffnungszeiten und Informationen findest Du beim Hindelanger Käsemarkt.
Käse richtig probieren und kaufen
- Mit milden Sorten beginnen: Probiere Dich von jung und mild zu lange gereift und kräftig vor.
- Nach der Herkunft fragen: Bei Alpkäse lohnt sich die Frage nach Alp, Herstellungszeitraum und Reifedauer.
- Auf das g.-U.-Siegel achten: Es kennzeichnet unter anderem geschützten Allgäuer Bergkäse und Allgäuer Emmentaler.
- Nicht eiskalt servieren: Nimm den Käse etwas vor dem Essen aus dem Kühlschrank, damit sich sein Aroma besser entfalten kann.
- Gut verpacken: Käsepapier oder eine geeignete Dose schützt vor Austrocknen, ohne den Käse vollständig luftdicht einzuschließen.
So wird Käse zum Allgäu-Ausflug
Verbinde den Einkauf mit einer Sennereiführung, einer Wanderung zu einer bewirtschafteten Alp oder einem Besuch in Bad Hindelang. Im Sommer kannst Du vielerorts erleben, wie eng Weidewirtschaft, Landschaftspflege und regionale Lebensmittel zusammengehören. Prüfe bei Alpen immer vorher, ob sie geöffnet sind und ob der Weg zu Deiner Kondition und zum Wetter passt.
So wird aus einer Käseverkostung mehr als eine Brotzeit: Du lernst die Menschen, Landschaft und Arbeit kennen, die hinter dem Allgäuer Käse stehen.



